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"Im Garten soll die Natur der Lehrmeister sein, und der Gärtner ist der Lehrling" |
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Wie ich zu diesem Garten gekommen bin
Vor ca. 30 Jahren kehrte ich der grauen Stadt den Rücken und zog hinaus ins Grüne. Dort kauften wir schon recht bald dieses Haus, an dem mich vor allem das schöne Grundstück und die Nähe zum Wald begeisterte. Von nun an konnte ich endlich in der Natur und mit der Natur leben. Nach und nach eignete ich mir Kenntnisse im Gartenbau an und lernte auf Spaziergängen die Pflanzen der Wälder und Wiesen näher kennen. Seit einigen Jahren biete ich nun mit "Myrrhenkerbel" Sämereien aus dem eigenen Garten an und gebe meine Pflanzenkenntnisse in Führungen an Interessierte weiter. Das ist für mich nicht nur ein Job. Es ist eine Leidenschaft, bei der ich auch Befriedigung finden kann. Als wir dieses Haus kauften, war der Garten in seinen Grundzügen bereits angelegt. Die Bepflanzung enthielt allerdings viele Koniferen und Sträucher, von denen ich die meisten nach und nach entfernt und durch Stauden ersetzt habe. Jetzt ist der Garten voller Blumen. Sogar im Winter blühen einzelne Pflanzen wie Christrosen (Helleborus-Arten und -Hybriden) der duftende Winterschneeball (Viburnum x bodnantense "Dawn") und der gelbe Winterjasmin. Bis vor einigen Jahren erinnerte eine hohe Fichtenhecke noch an die alte Anlage. Sie schuf im Innern einen intimen blickgeschützten Raum, aber von außen wirkte sie doch sehr abweisend. Da der Garten für uns "Lebensraum" im besten Sinne des Wortes ist - ein Wohnzimmer unter freiem Himmel - konnten wir uns lange nicht entschließen, sie zu entfernen. Vor einigen Jahren war es aber doch so weit. Bis die neue Liguster-Hecke herangewachsen ist, fehlt dem Garten der Rahmen. Dafür haben wir auf der Talseite jetzt eine herrliche bepflanzte Trockenmauer und einen Zaun mit Pergola, an dem Rosen, Waldgeißblatt und Clematis ranken. |
| Erste Gehversuche
Vor 30 Jahren hatte ich noch keine Ahnung vom Gartenbau. So habe ich mich erst einmal bei anderen Gärtnern durchgefragt. Die Auskünfte, die ich dabei bekam, waren eigentlich immer die gleichen: Man muß düngen, am besten mit Blaukorn; Rasen und Wege müssen mit Unkrautvernichtern behandelt werden, und gegen Schädlinge nimmt man Spritzmittel. Auch die Gartenbücher, in denen ich mich zu informieren suchte, enthielten diese Vorschriften. Die Biogarten-Idee war damals noch eine kleines Pflänzchen, das nur im Verborgenen blühte. Aber mir kamen sehr schnell Zweifel. Diese Form des Gärtnerns erschien mir wie ein ständiger Kampf. Die Gärtner versuchten offensichtlich, sich gegen eine feindliche Natur zu wehren und ihr etwas abzutrotzen. Ich aber wollte nicht ständig im Krieg mit meinem Garten liegen und dabei mein Grundstück vergiften. So suchte ich nach Alternativen und kam bald auf den Biologischen Gartenbau. Seit 20 Jahren hat dieser Garten nun weder Kunstdünger noch Gift gesehen. Inzwischen habe ich hier noch nicht einmal die angeblich so sanften biologischen Bekämpfungsmittel nötig, bei denen es ja auch darauf hinausläuft, daß die Laus am Ende qualvoll stirbt. In einem naturnahen Garten greift eins ins andere. Es entstehen geschlossene Kreisläufe, die die Natur intakt erhalten. So hilft dieser Garten sich immer wieder selbst. |
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Schädlingsbekämpfung mit Insektiziden?
Nach einem Gifteinsatz mit synthetischen Mitteln hat man nur scheinbar Ruhe. Meistens werden mit Insektiziden nicht nur die schädlichen Insekten, sondern auch ihre Fressfeinde vernichtet. Und deren Bestand wird bei einem Gifteinsatz immer stärker geschädigt und erholt sich langsamer als der Bestand der Schädlinge. Wenn die nützlichen Räuber aber fehlen, können sich bald nach dem Verspritzen der Insektizide die unerwünschten Insekten umso besser vermehren und schon nach kurzer Zeit sind es mehr als vorher. So beginnt ein Teufelskreis, in dem immer mehr gespritzt werden muss. Was ist bei biologischen Mitteln anders? Nebenbei bemerkt: Muss man wirklich jede einzelne Pflanze zu Hochleistungen bringen? Ist eine Pflanze immer wieder von Schädlingen befallen, so überlege ich mir, ob diese Pflanze überhaupt für diesen Platz geeignet ist. Vielleicht gefällt ihr ja der Standort nicht. Ich versuche, die Ursache des Befalls zu beseitigen und es kann auch schon mal sein, dass ich mich ganz gegen eine Pflanze entscheide, weil sie zu empfindlich ist. |
| Schädlingsregulierung mit Nützlingen! Im Biogarten werden bewusst Insekten angelockt. Trotzdem bekommt man keine Probleme mit Schädlingen, denn die meisten Insekten schaden den Pflanzen nicht und viele sind für uns sogar nützlich, weil sie Schädlinge fressen. Auch die Larven vieler Insekten fressen Blattläuse und sind dem Biogärtner daher sehr willkommen. Als Beispiel möchte ich hier nur die Schwebfliegen anführen. Ihre Larven vertilgen Unmengen an Blattläusen. Und damit die Larven auch wirklich satt werden, legt Mutter Schwebfliege die Eier gleich an den richtigen Pflanzen ab, mitten in die Blattlauskolonie. So regeln die Insekten die Schädlingsregulierung unter sich und der Gärtner hat keine Last mehr damit. Wie man nützliche Insekten anlocken kann? Insekten sind immer auf der Suche nach süßem Nektar und nach Möglichkeiten für die Eiablage. Man pflanzt einfach viele ungefüllte, möglichst einheimische Blumen. So braucht man sich nicht mehr um die sogenannten 'Schädlinge' zu kümmern. Mit den bunten Blumen lockt man also viele Heinzelmännchen in den Garten, die die Arbeit für den Gärtner erledigen. |
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Ein "gepflegter" Garten dank chemischer Keule?
Unkrautvernichter (Herbizide) haben im Bioanbau natürlich überhaupt nichts zu suchen. Bei unerwünschten Wildkräutern ist im Garten immer noch Handarbeit das Mittel der Wahl. Allenfalls Abflämmgeräte können auf Wegen eine Alternative sein. Auch Mulch kann das Aufkommen von Wildkräutern unterdrücken. In der konventionellen Landwirtschaft werden neue Herbizide (z.B. Basta) angewendet, die angeblich umweltverträglicher sind als die alten Mittel (Atrazin). Aber ich wehre mich dagegen, ein Mittel, das außer den Nutzpflanzen alles pflanzliche Leben zerstört, als umweltverträglich zu bezeichnen. Das ist mir zu radikal und die langfristigen Folgen z.B. für das Bodenleben sind noch nicht bekannt. Bedenklicher Nebeneffekt dieser neuen Herbizide ist die fortschreitende Abhängigkeit der Landwirtschaft von der Industrie. "Basta" verschont nur die Pflanzen, die gentechnisch immun gemacht wurden. Der Bauer kann also nicht einfach nur das Pestizid kaufen, er muss auch passendes Saatgut von dieser Firma beziehen. |
| Naturgarten oder Naturnaher Garten?
Ich pflege meinen Garten biologisch und bezeichne ihn als naturnah. Die Bezeichnung "Naturgarten" höre ich für meinen Garten nicht gerne, denn Naturgarten heißt eigentlich, dass man versucht, die einheimische Natur zu imitieren und dass alles Ausländische verboten ist. Das Wort "Naturgarten" ist schon ein Widerspruch in sich, denn auch ein sogenannter Naturgarten ist immer ein Stück künstlich gestaltete Natur. Mein Garten ist lediglich naturnah oder naturfreundlich, das heißt, dass ich versuche, einfühlsam gegenüber der Natur zu gärtnern und ökologische Zusammenhänge zu berücksichtigen. Man sollte den Menschen nicht immer nur im Widerspruch zur Natur sehen, denn auch er ist ein Teil der Natur. Kultiviertes Land kann vielfältiger und somit auch für die Natur wertvoller sein, als das, was von Natur aus dort wachsen würde. Heute sehe ich mich nicht so sehr als Besitzer des Gartens sondern als Mitbewohner, der den Garten mit vielen anderen Lebewesen teilt. Von einigen Bienenvölkern, Hornissen und anderen Insekten, über Eidechsen und Ringelnattern, bis zu Igeln und Steinmardern haben viele Tiere hier ein Lebensrecht. Im vergangenen Jahr durfte ich im Efeu an der Hauswand sogar die seltene Mittlere Wespe (Dolichovespula media) begrüßen. In ganz NRW wurde sie seit 1960 erst 36 mal gefunden; hier bei uns in Oberberg ist es erst der 2. Fund. Diese Art wird immer seltener und gilt in ganz Deutschland als gefährdet. Obwohl sich das Nest direkt neben dem Gartenweg in Augenhöhe befand, habe ich es erst spät im Jahr entdeckt, als ich das Efeu am Fenster etwas zurückschneiden wollte. Von einer Belästigung durch die Wespen konnte also keine Rede sein. |
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In einem naturnahen Garten kommt es oft vor, dass man Vogelnester erst im Herbst oder Winter entdeckt, denn im Sommer sind sie im dichten Bewuchs gut versteckt. Wenn manche Gartenbesitzer darüber klagen, dass die diebischen Elstern Nester ausräumen, ist das nicht die Schuld der Elstern: die wollen sich nur ernähren. Schuld ist der Mensch, der zu viele Gehölze pflanzt, in denen die Singvögel kein Nest verstecken können. Hier kann der Gartenbesitzer die Vogeleltern zwar gut beobachten, aber genau das ist das Problem. Diese Nester liegen wie auf dem Präsentierteller und sind eine regelrechte Einladung an die Elstern und andere Räuber. Ein gut verstecktes Nest in einem dichten Strauch entdeckt man auch als aufmerksamer Gartenbesitzer erst im Herbst, wenn das Laub fällt. Streifen Katzen durch den Garten, dann kann man die Vögel auch durch die Anpflanzung möglichst vieler stacheliger Sträucher schützen.
Auch Biotope wie Stein- und Reisighaufen bieten den Tieren wichtige Versteck- und Nistmöglichkeiten. Wen so etwas in seinem Garten stört, der kann diese Strukturen auch einfach verstecken. Es sieht sonst manchmal auch zu gewollt und künstlich aus. Ich habe z.B. einen Reisighaufen unter den Sträuchern. Besonders Steinhaufen liegen bei mir an vielen Stellen, so habe ich im Steingarten Bauschutt mit Natursteinen abgedeckt, die jetzt von Pflanzen überwachsen sind. Auch vor dem Fundament des Wintergartens befindet sich ein Steinhaufen, der 1/2 m in die Tiefe geht. Durch die gute Drainage finden hier trockenheitsliebende Kräuter einen idealen Platz. |
| Exoten oder einheimische Pflanzen?
Das Rückgrat des naturnahen Gartens sollten einheimische Sträucher bilden. Dieses Eintreten für die heimischen Bäume und Sträucher soll aber nicht zu einem Dogma erstarren. Einzelne Exoten können durchaus ihre Berechtigung haben. Es kommt eben auf Maß und Ziel an. In den traditionellen Bauerngärten werden viele Blütenpflanzen von Wildbienen als Pollen- und Nektarspender genutzt. Moderne Ziergärten mit ihrem oft nur rein optischen Blütenzauber aus hochgezüchteten "Schaublumen" enthalten dagegen kaum für Insekten nutzbare Pollen- und Nektarspender. Auch mit vielen exotischen Sträuchern können unsere einheimischen Insekten nichts anfangen. Dazu zählen z.B. auch die Forsythien, die man in unseren Gärten so häufig sieht, dass schon meinen könnte, sie seien einheimisch. Eigentlich müsste ein so überreich blühender Strauch zu dieser frühen Jahreszeit doch von Insekten belagert sein. Aber beobachten Sie eine prachtvoll blühende Forsythie mal etwas genauer. Sie werden nur ganz selten eine einsame Hummel entdecken, die aber bald enttäuscht wieder wegfliegt. Nektar konnte sie hier keinen finden. |
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Das "Design" des Gartens
Viele konventionelle Gärten werden wie ein Wohnzimmer ordentlich und sauber hergerichtet und mit einem umfangreichen Maschinenpark regelrecht totgepflegt. Für andere Gartenbesitzer ist der künstlich angelegte Teich die Krönung des Gartens, und sie glauben, damit schon genug für die Natur getan zu haben. Aber durch ihren überzogenen Sauberkeitskult ekeln sie am Teichrand die Natur gleich wieder aus dem Garten hinaus. Auch bei meinem Garten stand am Anfang ein Plan. Und bis heute pflanze und verpflanze ich immer wieder, um Fehlentwicklungen zu korrigieren. Bei der Bepflanzung der Beete stehen bei mir aber nicht nur optische Kriterien im Vordergrund. Ich setze weniger auf Effekte sondern ziehe die Pflanzen, an denen mir etwas liegt, und nicht die, die gerade in Mode sind. Ich liebe ganz besonders die kleinen, unscheinbaren Dinge, die vielleicht nicht so effektvoll, aber doch auch sehr reizvoll sein können: kleine Blüten und Insekten, deren Schönheit man erst bei genauerem Hinschauen entdeckt; schöne Samen (-stände) wie zum Beispiel die unterschiedlichen Samen der wilden Ringelblume; unterschiedliche Blattformen, manchmal an der gleichen Pflanze (z.B. Efeublätter und deren Spitzentriebe), und auch die vielen verschiedenen Grüntöne und Formen der Blätter. |
| Kann man ein Stück Erde kaufen? Das Grundstück - gekauft (vom Vorbesitzer) oder geliehen (von der Natur)? Der Garten ist für mich ein lebendiges Wesen, das sich wie alles Leben ständig verändert. Für mich sind die verschiedenen Pflanzen einzelne Persönlichkeiten, jede mit eigener Geschichte. Kurzlebige Pflanzen dürfen bei mir nicht nur im Gemüsegarten, sondern auch auf den Staudenbeeten herumvagabundieren. Ich bringe es nicht übers Herz, eine Pflanze, die sich irgendwo ausgesät hat, einfach auszureißen, nur weil sie dort angeblich nicht hinpasst. Wenn in meinem Garten eine Pflanze keimt, stellt sie sozusagen einen "Antrag", dort wachsen zu dürfen, und ich versuche möglichst, es ihr zu gewähren. Ich möchte mich nicht zum Herrn des Gartens aufspielen, der genau festlegt, welche Pflanze wo wachsen darf; es ist mehr wie ein Dialog, bei dem auch die Pflanzen ein Wörtchen mitzureden haben. Das ist ein sehr interessanter Prozess, bei dem der Garten mich immer wieder überrascht. Solch ein leicht verwilderter Garten ist sicher nicht jedermanns Geschmack, aber ich finde es reizvoller, wenn jedes Jahr wieder andere Gartenbilder entstehen, in die ich nur vorsichtig lenkend eingreife. Das interessante an Gärten ist ja gerade, dass sie so verschieden sind und auch die Lebenseinstellung des Besitzers spiegeln können. Mein Motto stammt von Albert Schweitzer und besagt, dass man sich selbst und seine Umwelt begreifen soll als |
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Englischer Rasen, Blumenrasen oder Wiese?
In fast allen Gärten dominiert ein kurzgeschrittener Rasen. Mit Recht. Er hat den Vorteil, dass er fast jederzeit begehbar und auch für Sport und Spiel geeignet ist. Solch ein Rasen ist aber sehr pflegeintensiv und ökologisch minderwertig, da er nur wenige Pflanzenarten enthält und auch nur wenigen Tieren eine Lebensgrundlage bietet. Ökologisch ist der sogenannte "Englische Rasen" am problematischsten Dort werden sogar kleine Kräuter wie Gänseblümchen, Ehrenpreis und Braunelle bekämpft. Dabei kann ein bunter "Blumenrasen" eine attraktive und robuste Alternative sein. Überlegen Sie doch einmal, ob Sie alle Rasenbereiche in ihrem Garten wirklich nutzen. Die Ränder vor Gehölzen oder abgelegene Bereiche könnte man doch eigentlich in eine naturfreundliche Blumenwiese umwandeln und größere Wiesenbereiche kann man auch durch Rasenpfade erschließen, auf denen man sie durchqueren kann. Was macht eine Wiese überhaupt so wertvoll? Man kann sie mit einem mehrstöckigen Haus verleichen: Im Keller buddelt der Maulwurf seine Gänge. Die Mieter im Parterre (oberste Bodenschicht mit absterbenden Pflanzenteilen) sind zum Teil winzig: Bakterien, Milben, Springschwänze und Regenwürmer. Aber Auch Asseln, Käfer, Tausenfüßer, Ameisen und Schnecken. Im mittleren Stockwerk krabbeln Raupen, Heuschrecken, Käfer und Spinnen. Ganz oben, auf dem Dachgarten tummeln sich die passionierten Flieger: Bienen, Hummeln, Fliegen und Falter. |
| Der bunte Gemüsegarten
Man sollte auch im sogenannten "Nutzgarten" nicht immer nur auf den Nutzen schielen. Den Gemüsegarten pflege ich nach dem Motto: "Der Mensch lebt nicht vom Gemüse allein." Mir ist nicht nur der Ertrag wichtig, sondern der Gemüsegarten soll auch dem Auge etwas bieten. Da die Beete jedes Jahr neu angelegt werden, haben hier auch kurzlebige Blumen eine Chance. Dadurch sieht der Nutzgarten in jedem Jahr völlig anders aus. Wenn es irgendwie geht, lasse ich die Blumen blühen und verzichte dafür auch mal auf eine Gemüsepflanze. Der Ertrag ist auch so noch ausreichend. Man kann die Blumen auch von vorneherein mit einplanen und den Gemüsegarten gleich entsprechend größer planen. Außerdem locken die Blüten Insekten an. So hole ich mir mit den Blumen viele "Heinzelmännchen" direkt in den Gemüsegarten, die die Schädlingsregulierung für mich übernehmen. Beim Unkraut-Zupfen nehme ich nur die Sämlinge weg, die ich wirklich nicht will. Alles andere lasse ich erst einmal wachsen. Unbekannte Sämlinge lasse ich grundsätzlich wachsen und entscheide erst ob ich sie wegnehme, wenn ich weiß was es ist. Auf diese Weise hatte ich schon mehrmals seltene Arten im Garten, die sich von selbst hier angesiedelt haben. Bei anderen seltenen "Unkräutern" habe ich durch Aussaat nachgeholfen. Inzwischen sind so seltene Arten wie Guter Heinrich, Acker-Löwenmäulchen, Ackerröte und Ackerfrauenmantel fest in meinem Garten eingebürgert. Sie säen sich selbst aus und vagabundieren durch die Gemüsebeete, ohne jemals lästig zu werden. Diesen kleinen "nutzlosen" Ackerunkräutern, die durch den Gifteinsatz in der modernen Landwirtschaft vom Aussterben bedroht sind, sollte man im Hobbygarten Asyl gewähren. |
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Düngung
Alles in diesem Garten soll sich zu einem Kreis schließen. So stammt auch der Dünger aus dem Garten selbst. Kompost ist aus Pflanzen entstanden und enthält daher alles was Pflanzen brauchen. Er ernährt die Pflanzen nicht direkt, sondern nur über das Bodenleben. Dieses muss die Nährstoffe erst freisetzen. Dadurch entsteht keine stoßartige Wirkung sondern eine gleichmäßige Düngung während des ganzen Jahres. Bei mir werden alle anfallenden pflanzlichen Abfälle in 2 Komposter-Paaren verarbeitet. Nur der Rasenschnitt ist hierfür nicht geeignet, da er im Kompost zu Fäulnis führt. Er eignet sich aber ideal als Bodenbedeckung (Mulch) im ganzen Garten. Kompostdüngung, Bodenbedeckung und Mischkultur halten alle Pflanzen kerngesund. Oft hört man, dass organische Düngung alleine nicht ausreichend sei. Aber man sollte die Wirkung des Komposts nicht unterschätzen. Auch mit Kompost kann man zu viel des Guten tun!! Viele Hausgärten sind stark überdüngt. Wenn Sie unsicher sind, sollten Sie den Nährstoffgehalt des Bodens von einem guten Labor testen lassen (ich empfehle das Labor von Dr. Balzer in 35083 Wetter-Amönau, Tel. 06423/7483). Vor allem den Ph-Wert des Bodens sollte man regelmäßig prüfen und evtl. mit Algenkalk korrigieren. Auf Torf sollte man im Garten grundsätzlich verzichten. Da er den Boden versauert schadet er mehr als er nützt. Vor allem werden durch die Torfgewinnung die letzten wertvollen Moore zerstört. Die Entstehung der Moore hat viele Jahrhunderte gebraucht und wird durch den Torfabbau in kürzester Zeit zerstört. Moorlandschaften sind unersetzlicher Lebensraum für viele vom Aussterben bedrohte Pflanzen- und Tierarten. Der Gebrauch von Torf und torfhaltigen Produkten ist deshalb aus naturschützerischen Gründen nicht vertretbar. Es sind genügend Ersatzprodukte wie Rindenhäcksel, Fichtensubstrate und Kompost erhältlich, so dass der Gebrauch von Torf in den Gärten nicht mehr nötig ist. |
| Altes ... Mein Gemüsegarten enthält auch einige alte Gemüsearten, die heute kaum noch jemand kennt. Viele dieser Pflanzen, die früher einmal weit verbreitet waren, sind inzwischen überflüssig geworden, weil es in unserer schnellebigen technisierten Welt keinen Platz mehr für sie gibt. Wir können heute alles viel einfacher und billiger im Supermarkt kaufen. Bei den Heilkräutern für die alltäglichen Wehwehchen ist es genauso. Früher war der Weg zur Apotheke in der nächsten Stadt weit, und so wurden erst einmal die eigenen Hausmittel eingesetzt. Heute hat man es da einfacher, aber mit den Pflanzen geht auch das jahrhundertealte Wissen über deren Nutzung verloren, und das finde ich schade. Deshalb versuche ich, den alten Kulturpflanzen wieder einen Platz im Garten zu geben und sie durch Vermarktung auch in anderen Gärten wieder zu verbreiten. Zu den alten Kulturpflanzen gehören auch die Pflanzen des Aberglaubens, die heute in manchen Kreisen wieder modern sind. Im Mittelalter verstanden sich vor allem die weisen Kräuterfrauen auf diese Kräuter. Allerdings verwendeten sie diese Pflanzen immer nur in Mischungen mit anderen Inhaltsstoffen, wodurch ihre Wirkung abgemildert wurde. Nicht zu unterschätzen ist der damalige Wert dieser Pflanzen als schmerzstillende Mittel und Narkotikum bei schweren Verletzungen, unheilbaren Krankheiten und chirurgischen Eingriffen. Die genauen Rezepte für diese Mischungen sind allerdings zusammen mit den Hexen verbrannt. Ich kann also nur davor warnen, selbst mit diesen psychoaktiven Pflanzen zu experimentieren. Mein Heilpflanzenbeet ist, wie in den alten Gärten üblich, in den Gemüsegarten integriert. Es unterscheidet sich aber durch eine junge Buchshecke von den anderen Beeten. Gerade die Heilpflanzen hatten seit Urzeiten eine große Bedeutung im Leben der Menschen und gingen in die Mythologie ein. Hier kann man den Begriff "Kultur"pflanzen wirklich wörtlich nehmen, denn sie waren wichtiger Teil kultischer Handlungen und nahmen auch später noch einen breiten Raum im Volksglauben und Brauchtum ein. Auch die Methoden ihrer Verarbeitung sind sehr alt und haben sich seit den Ägyptern kaum verändert. Diese enge Beziehung zwischen Mensch und Pflanze möchte ich auch optisch mit dem Muster der Buchshecke ausdrücken. Ich habe sie im Rhombenmuster gepflanzt und möchte daraus im Lauf der nächsten Jahre ein Flechtmuster entwickeln, bei dem sich die beiden Buchsstränge innig umschlingen. |
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... und Neues
Aber nicht nur Altes hat in diesem Garten seinen Platz, sondern auch viele "moderne" Kräuter, die Schönheit und Nützlichkeit miteinander verbinden. Während der Blüte ziehen sie mit ihrem Nektar Insekten an und in der Küche sorgen sie für mehr Abwechslung. Meiner Meinung nach sind die Kräuter ideale Gartenpflanzen, gerade auch für kleine Gärten, und ich kann nicht verstehen, dass man sie so selten in den Gärten findet. Selbst Städter können in Balkonkästen und Kübeln einen kleinen "Kräutergarten" anlegen. Das ist nützlicher und interessanter als die immer gleichen Prachtbalkone mit ihren Geranien und Petunien. Viele Küchenkräuter wurden zuerst als Heilpflanze genutzt und haben erst später Verwendung als Gewürze gefunden. Sie sind gleichzeitig Nahrung und Heilmittel. Die Würzkräuter verleihen unserem Essen nicht nur Geschmack, sondern können vorbeugend auch vor aufkommenden Krankheiten schützen indem sie ausgleichend auf Fehlentwicklungen im Verdauungstrakt wirken. Deshalb sollten frische Küchenkräuter zu unserer täglichen Nahrung gehören. Es findet sich für jede Geschmacksrichtung bestimmt das richtige Kraut. Bei der Verwendung der Kräuter kann man seine Phantasie spielen lassen. Eine alte Regel besagt, dass man nicht weniger als 3, aber auch nicht mehr als 9 verschiedene Kräuter verwenden sollte. |
| Was wäre ein Garten ohne Duftpflanzen!
Ein Garten sollte alle Sinne ansprechen, nicht nur die Augen. Ich empfinde es immer wieder als etwas ganz besonderes, wenn ich durch meinen Garten gehe und von den verschiedenen Düften naschen kann. Die meisten Menschen denken bei Duftpflanzen nur an die Blüten. Aber so schön duftende Rosen auch sind, ihr Duft beschränkt sich auf die Blütezeit. Viel dankbarer sind eigentlich die vielen Blattdufter, von denen man fast das ganze Jahr naschen kann. Und wenn man die verschiedenen Pflanzen berührt um ihren Duft freizusetzen, so wird ganz nebenbei auch der Tastsinn angesprochen: manche Blätter sind zart, andere samtig weich oder derb und borstig. So habe ich z.B. eine kleine Sammlung verschiedener Duft-Pelargonien, von denen ich auch immer wieder Stecklinge abgebe. Mein Tipp: Viele dieser Blattdufter halten sich mit Hilfe der ätherischen Öle Schädlinge vom Leib. Das kann man ausnutzen, wenn man Schädlinge von den Schränken fernhalten will: Für Mottensäckchen eignen sich besonders Lavendel und die verschiedenen Eberrauten (Artemisia abrotanum) und Heiligenkräuter (Santolina chamaecyparissus). |
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"Steingarten" oder Steingarten?
Da mein Garten an einem steilen Südhang liegt, enthält er auch einen Steingarten. In den meisten sogenannten "Steingärten" werden viel zu wenig Steine verwendet, wodurch der eigentliche heiße Charakter des Steingartens gar nicht entstehen kann. Bepflanzt werden diese Steingärten dann mit immer den gleichen Polsterstauden und einigen Zwergkoniferen. Nach stürmischer Frühlingspracht wirkt so ein Beet dann den Rest des Jahres nur noch langweilig. Ein Steingarten, der seinen Namen wirklich verdient, ist dagegen ein Biotop für Sepzialisten. An meinem Steilhang liegen auf 25 qm ca. 12 t Steine. Die Steine wurden dicht an dicht auf den gewachsenen mageren Boden gelegt, so dass für die Pflanzen nur noch die Spalten zwischen den Brocken übrig bleiben. Bepflanzt wurde der Steingarten mit trockenheitsliebenden, sonnenhungrigen Pflanzen, die sich hier am Südhang sichtlich wohl fühlen. Vom Frühjahr bis zum Herbst blühen immer wieder andere Pflanzen. Blütenreichtum und Wärme locken viele Insekten an. Im Sommer werden die Steine an unbewachsenen Stellen bis zu 70°C heiß. Aber auch im Frühjahr können hier schon Insekten und Eidechsen Wärme tanken. Will man es ganz perfekt machen, so sollte man in oder direkt neben dem Steingarten einen Teich oder eine kleine Wasserstelle anlegen. So werden möglichst viele Bedürfnisse der Tiere befriedigt, um sie dauerhaft an den Garten zu binden. |
| Die Faszination der Bienen
Zu einem summenden Insektengarten gehören natürlich auch die Bienen. Angst muß man vor Bienen heute übrigens nicht mehr haben. Sie werden schon seit langem auf Sanftmut gezüchtet und man kann sie daher problemlos im Garten halten. Wenn auch Sie Lust auf eigene Bienenhaltung haben, sprechen Sie einfach mit ihrem örtlichen Imkerverband, dort wird man Ihnen gerne helfen. Die Bienenhaltung geht in Deutschland immer weiter zurück, so dass einige Landstriche schon nicht mehr ausreichend mit Bienenvölkern versorgt sind. Die Imker leisten durch die Bestäubungsarbeit ihrer Bienen einen unverzeichtbaren Beitrag zum Naturschutz. Obwohl die Bienen in Deutschland jährlich ca. 15.000 Tonnen Honig erzeugen, ist ihr wichtigster Nutzen die Bestäubung unserer Pflanzen. Und wenn die Bienen durch die Bestäubung die Samenbildung ermöglichen, so dient das nicht nur dem Fortbestehen der Pflanzenart. Die entstehenden Samen und Früchte sind eine wichtige Nahrung für viele Tiere und auch für den Menschen. Für Interessierte habe ich einige erstaunliche Daten aus dem Leben dieser interessanten Tiere zusammengestellt: |
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Ursula Schneider
Myrrhenkerbel@t-online.de